Rezensionen

Review zu Tales from the Loop

Tales from the Loop ist eines dieser Spiele, was man mit einer Popkultur Referenz am Einfachsten erklären kann, aber damit den Ursprung in Vergessenheit geraten lässt. Tales from the Loop ist ein Rollenspiel im Stile von Stranger Things. In einer Kleinstadt geschehen mysteriöse Dinge und man spielt einen jugendlichen Charakter im Alter von 10 – 15 Jahren, der zusammen mit seinem Freunden neben dem Schulalltag mit diesem Mysterium konfrontiert wird sowie diesem auf den Grund geht.

Was man jedoch hier vergisst, ist dass das Rollenspiel auf Simon Stålenhags Kunst basiert. Aufgrund dieser Kunst entstand eben jenes Rollenspiel, welches ein alternatives Science-Fiction Universum im Stile der 80iger Jahre mitbringt und von fortschrittlicher Robotik sowie anderen technischen Errungenschaften profitiert.

Wie auch schon beim Review zu Beyond the Wall, beginnen wir mit einer Einsicht zum Spielsystem aus Sicht der Spielleitung. Im Anschluss folgt dann die Meinung aus Spielersicht und endet mit einem Fazit. In diesem Fall begleitete Katrin als Spielleiterin in unseren privaten Rollenspielrunde unsere Jugendlichen Charaktere in Boulder City.

Quelle: Fria Ligan

  • Verlag: Fria Ligan
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Sprache: Englisch
  • Format: PDF / Buch (Hardcover)
  • Preis: 23,32 € (PDF) / 39,17 € (Hardcover)
  • Erhältlich bei: Modiphius / Fria Ligan

Interview mit der Spielleitung

Wie fühlt es sich an Tales from the Loop zu leiten?

Tales fom the Loop ist das erste Rollenspiel, bei dem ich als Spielleiterin nicht würfeln musste. Am Anfang war dies etwas merkwürdig, aber insgesamt fand ich es sehr entspannend. Ich musste dann natürlich noch mehr darauf achten, die Spieler in bestimmten Szenen würfeln zu lassen. Gerade hierfür habe ich am Anfang etwas Zeit gebraucht. Da unsere Teenagerhelden praktisch nicht kämpfen, ist es nicht so einfach, die Balance zwischen Probe und „Schaffen es die Spieler direkt“ zu finden.

Dadurch, dass die Welt offen ist, haben die Spieler alle Möglichkeiten die Stadt zu erkunden und können bei mir jederzeit passende Orte in der Stadt selbst erschaffen. Mir persönlich liegt diese Art des Leitens sehr gut und ich kann mich sehr gut auf die Spieler einstellen, da ich lieber nur mit einigen Szenario-Ideen spiele. Hier ist Tales from the Loop genau richtig für mich. Das Geheimnis ist zwar vorgegeben, aber die Wege dorthin sind für die Spieler ziemlich offen. Als Spielleiterin musste ich mich auch auf die Alltag-Szenen, wie zum Beispiel das gemeinsame Abendessen der Familie oder einen ungeplanten Shopping-Besuch mit der Mutter einstellen, aber ich denke in diese kann sich jeder hineinversetzen. 

Wie gut wird das Setting beschrieben?

Ich besitze das Regelwerk und den Abenteuerband Our friends the Machines & other Mysteries. Ich finde die Grafiken von Simon Stålenhag unglaublich toll, allerdings befassen sich nur die ersten 40 Seiten des Regelwerkes mit dem Setting, dabei entfällt ein Großteil auf die Beschreibung der 80er Jahre. Was die 80er in Tales from the Loop von unsern 80ern unterscheidet, wird mir persönlich nicht ausreichend genug beschrieben. Ich denke, es würde hier noch sinnvoll sein, in die reinen Grafikbände von Simon Stålenhag zu investieren. Ich bin aber selber noch nicht dazu gekommen. 

Wie umfangreich sind die Regeln?

Die Regeln sind wirklich einfach, klar und passen perfekt zum Spiel. Ich habe für meine Spieler eine Zusammenfassung von einer Seite geschrieben und wir konnten damit sehr gut spielen. Regeln am Tisch nachzuschauen ging dadurch relativ einfach und es hat aus meiner Perspektive zu einem flüssigen Spiel geführt. Ich mag es persönlich nicht so, wenn man vor einer Aktion erstmal im Regelbuch nachschlagen muss, welche Optionen einem offen sind, weil es hier zu viel Auswahl gibt. Dies ist aber sicherlich Geschmacksache.

Wie hilfreich ist das Buch zur Vorbereitung?

Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich das Regelwerk in die Hand genommen habe. Die Seiten werden immer wieder durch die tollen Grafiken aufgewertet, so dass ich stellenweise bereits die ersten Ideen für Szenen bekomme habe. Insgesamt kommt Tales from the Loop mit ca. 100 Seiten Setting sowie Regeln aus und beschreibt diese sehr schön übersichtlich. Auch sind auf den Regelseiten fast immer Beispiele aus konkreten Spielszenen. Diese erleichterten mir das Behalten der Regeln sehr. 

Grundsätzlich würde ich mir aber noch mehr zum Hintergrund der Welt wünschen, um auf einige Fragen zur Technik, gerade in Hinblick auf die Roboter, besser reagieren zu können. Während der Vorbereitung habe ich den Podcast der Austauschhelden gehört.

Ich glaube, dass während des Spielens sich das Buch sehr gut nutzen lässt. Da ich nicht gerne während der Sitzung im Buch blättere, schreibe ich eigentlich häufig meine eigene Zusammenfassung.

Im Buch sind bereits kleine Abenteuer und eine kleine Kampagne enthalten. Auch gibt es immer die Option die Geschichte in Schweden oder in den USA spielen zu lassen.

Meine liebsten Geschichten sind allerdings im Abenteuerband. Hier wurden Songs aus den 80ern als Inspiration für Szenarien genommen. Gerade in Kombination mit der Musik kamen mir bei der Vorbereitung fast unendlich viele Ideen. Im Ergänzungsband ist auch der Home Town Hack, eine Anleitung, um die eigene Stadt zum Spielort der Geschichte zu machen, sowie Baupläne und Beschreibungen einiger Roboter und Maschinen.

Review aus Sicht eines Spielenden

Das Spielsystem

Ich habe vorher noch keine Erfahrung mit der Year-Zero-Engine, die im Untergrund von Tales from the Loop steckt, gehabt. Katrin hatte es schon in ihren Antworten beschrieben, dass sie gerne Zusammenfassungen und kleine Cheat-Sheets für die Spielrunde erstellt. So kamen wir zum Spieltisch und hatten einen Fragebogen, der uns durch die Charaktererstellung führte. Während des Spielens half eine kleine Übersicht, um herauszufinden, welche Fertigkeit für welche Situation genutzt wird.

Fertigkeiten, Dice-Pool

Genau diese Fertigkeiten bilden einen Kernpunkt des Systems. In Tales from the Loop sind die Charaktere Jugendliche und haben keine Lebenspunkte o.ä., die auf 0 sinken können und dann den Tod einläuten. Vielmehr verletzen sich die Protagonisten oder erhalten andere Zustände und werden dadurch beeinträchtigt. Dies spiegelt sich als verringerte Anzahl an Würfeln bei Proben wieder.

Eine Würfelprobe wird auf eine Fertigkeit abgelegt. Wie funktioniert dies also? Ganz einfach. Es gibt 4 Attribute (Körper, Technik, Herz und Geist) zu denen es wiederum Fertigkeiten, wie z.B. Schleichen, Basteln, Einschleimen, Untersuchen u.v.m., gibt. Um herauszufinden, ob eine Probe gelingt wirft man also auf eine Fertigkeit. Das Spielsystem ist hier als Dice-Pool aufgebaut. Man würfelt W6 in Höhe des Wertes des Attributs + dem Wert der Fertigkeit. Bei einer 6 auf einem dieser Würfel hat man einen einfachen Erfolg. Bei 2 oder mehreren 6en hat man entsprechend höhere Erfolge. Je nach Entscheidung des Spielleiters können manche Situationen mehr als einen Erfolg benötigen. Dieses System erlaubt so ein sehr schnelles Spiel.

Konsequenzen und Erholung von Zuständen

Schafft man jedoch eine Probe nicht, so zieht dies Konsequenzen nach sich oder man erleidet einen Zustand wie z.B. ängstlich. Diese Zustände verringern die Anzahl von Würfeln um 1. Insgesamt gibt es 4 Zustände. Wenn man alle erreicht, ist man gebrochen und muss sich erst einmal wieder erholen. Dies geschieht in dem man eine Szene im Versteck der Jugendlichen, welches als Gruppe festgelegt wird, ausspielt. Alternativ gibt es den sogenannten Anker. Der Anker ist eine spezielle Person, die dem jugendlichen Charakter sehr wichtig ist. Dies kann z.B. der freundliche Eisverkäufer oder Comic-Shopbesitzer sein. Dieser Anker wird auch im Vorwege festgelegt. Wenn man eine Szene mit dem Anker ausspielt, erholt sich der Charakter auch entsprechend.

Charaktererstellung

Die Charaktererstellung ist einfach und thematisch. Soviel vorweg. Man wählt am Anfang einen Archetypen wie z.B. die Sportskanone oder den Bücherwurm. Diese geben einem u.a. bestimmte Schlüsselfertigkeiten mit. Ansonsten darf man in den Fertigkeiten am Anfang lediglich einen Punkt investieren. In den Schlüsselfertigkeiten des Archetyps jedoch bis zu 3 Punkte.

Als Nächstes wird das Alter festgelegt. Hier hat man die Wahl zwischen 10 – 15 Jahren. Das Alter entscheidet zwei Dinge. Erstens gibt das Alter an, wie viele Glückspunkte man hat. Glückspunkte werden z.B. für Wiederholungswürfe ausgegeben. Zweitens entscheidet das Alter, wie viele Punkte man in seine Attribute stecken darf. Die Anzahl der Punkte für die Attribute ergibt sich 1 zu 1 aus dem Alter, während die Glückspunkte als Differenz von 15 – Alter berechnet werden. Für die Fertigkeiten kann man 10 Punkte unabhängig vom Alter einsetzen.

Ikonischer Gegenstand, Probleme, Motivation und Stolz

Jeder Charakter hat noch ein ikonischen Gegenstand. Etwas was seinen Charakter spezieller definiert. In meinem Fall hatte mein Computer Geek einen Taschenrechner. Für Proben, wo man diesen Taschenrechner einsetzen kann, kann es dazu kommen, dass man 2 Bonuswürfel werfen darf.

Jedes Kind in diesem Alter hatte das ein oder andere Problem. Genauso auch unsere Charakter. Jeder musste mindest ein Problem benennen. Das kann von geschiedenen Eltern bis zu unerfüllter Liebe oder dem Mobbing in der Schule reichen. Der Fantasie oder realen Erinnerungen sind keine Grenzen gesetzt.

Wie in manch anderen Rollenspielsystemen treibt einen Charakter etwas an. Eine Motivation für eine ggf. gefährliche Unternehmung braucht auch der jugendliche Charakter in Tales from the Loop. Vielleicht will der Charakter einfach das Richtige tun oder seinen Freunden helfen?

Aber genauso wie Jugendliche Probleme haben, entwickeln sie auf dem Weg zum Erwachsen werden einen gewissen Stolz. Etwas was sie gut können, sie sich gut fühlen lässt oder sie von anderen unterscheidet. Dieser Stolz kann einmalig eine Probe zum automatischen Erfolg führen.

Anker, Beziehungen und Songs

Wie schon erwähnt, gibt es eine Ankerperson. Neben diesem Anker müssen aber auch noch die Beziehungen zu den anderen Spielercharakteren sowie weiteren Nichtspielercharakteren definiert werden. Das ist übrigens sehr cool. Denn hier wird von den Spielern sehr stark auch das Umfeld der Stadt und damit der Lebensraum der Protagonisten mit gestaltet. In unserer Gruppe entstand damit ein Geschwisterpaar unter den Spielern, die einen alkoholabhängigen Vater hatten und mit diesem auch ihre eigenen Probleme.

Abgerundet wird die Charaktererstellung durch die Wahl eines Lieblingssongs der Zeit (natürlich Raining Blood für meinen artigen Computer Geek aus guter Familie) sowie der Festlegung, welches Versteck die jugendlichen Freunde in ihrer Freizeit nutzen.

Setting

Das Setting ist schön retro. Eine 80iger Playlist als Ambient-Musik führt schon zu einer passenden Stimmung. Sehr schön als Spielende in einer vergangenen Zeit sind natürlich die Popkulturreferenzen und Klischees, die man nun aufgreifen kann, darf und sollte. Tales from the Loop spielt zu einer Zeit, wo die erste Star Wars Trilogie endete, E.T. nach Hause telefonieren wollte und Tom Cruise ein Piloten-Ass verkörperte. Eine Anspielung sowie ein Zitat hier und da wirft nicht nur Spielercharakter sondern auch Spielende in jene Zeit zurück!

Bei uns gelang der Spielleitung sehr schön der Wechsel zwischen Detektivarbeit der Jugendlichen in ihrer Freizeit, und damit dem Aufklären des Mysteriums, sowie dem Alltag. Seinen Eltern zu erzählen, warum man nach 18 Uhr noch draußen sein muss, ist manchmal auch gar nicht so einfach und das Schulleben hatte auch seine Tücken, wie man sich dann gerne zurückerinnern mag.

Im ersten Moment fühlte es sich sehr nach unserer Welt an, aber Roboter oder andere Technologie, die es in der Zeit nicht geben sollte, ließen die Welt doch recht abwechslungsreich und frisch erscheinen. Probleme wie fehlende Handys trafen auf Bauernhofs-Roboter-Landmaschinen-Dingens-Hier.

Die Ungewissheit in einem Rollenspiel ergibt auch eine schöne Spannungskurve, wenn etwas Unerklärliches passiert und einem die Immersion dieser fiktiven Realität zerbricht. Bei uns waren es Anrufe von kleinen Mädchen, die es so nicht geben sollte, kleine Kinder auf Dreirädern oder Datenkabel, die an und zu Orten verliefen, wo sie nicht hingehörten.

Fazit

Katrin

Tales from the Loop überzeugt nicht nur auf den ersten Blick, sondern hat sich einen dauerhaften Platz in meinem Rollenspielherz erobert.

Es ist perfekt dafür geeignet in eine Welt und in unsere Vergangenheit einzutauchen, die aber doch etwas anders ist. Eine Welt ohne Magie, in der unsere Helden normale Teenager sind, finde ich einen sehr erfrischenden Ansatz und erleichtert sowohl Spielleiter sowie Spieleranfängern mit Sicherheit den Einstieg. 

Es ist ein Erzählspiel, bei dem sich gerade auch zwischen den Spielern immer wieder tolle Situationen ergeben. Es ist vielleicht nicht für die jahrelange Kampagne geeignet, aber ich glaube man kann es immer wieder einsetzen und gerade in der Zeit, wo die meisten von uns es eh nicht schaffen, regelmäßig zu spielen, kann man eine Geschichte auch durchaus an einem Abend / Nachmittag durchspielen und einige Monate später mit den Charakteren wieder ein neues Abenteuer beginnen. 

René

Tales from the Loop ist für mich ein klasse Rollenspiel als Lückenfüller oder für kurze Kampagnen. Keine jahrelangen Runden, die den epischen Nekromanten versuchen zu besiegen, sondern Jugendliche, die versuchen herauszufinden, was in der Welt vor sich geht. Ein Mysterium nach dem Anderen.

Das Regelwerk ist als Spieler sehr schnell und einfach gehalten. Die Charaktererstellung erfordert Details, die nicht nur dem Charakter eine Tiefe verleihen (können), sondern auch eine zwischenmenschliche Ebene mit der Umwelt erzeugt. Man erstellt einen Charakter, der automatisch schon per Regeln ein Leben, Hintergrund und einen Alltag besitzt. Zusätzlich ergeben sich aus den Szenen im Versteck oder mit dem Anker weitere Inhalte der Geschichte, gestrickt vom Spieler und als mögliche Plot-Hooks für die Zukunft.

Ich denke, dass ein einfacher Spagat der Genres wie z.B. Horror und Mystery möglich und gar auch passend ist. Für all jene Fans dieser Art von Spiel (oder Serien wie Stranger Things), ist Tales from the Loop auf jeden Fall eine Bereicherung!

René ist seit mehreren Jahren begeistert dem Hobby Rollenspiele verfallen und begann mit ADnD die Reise ins Unbekannte. Seine beliebtesten Rollenspiele sind derzeit DnD 5e und Der Schatten des Dämonenfürsten. Neben den Rollenspielen sind Romane, TableTop (Age of Sigmar), Brettspiele und auch Videospiele auf der PS4 große Hobbies. Als Softwareentwickler sind kreative Lösungswege nichts ungewöhnliches, aber in der Freizeit wird dieser Drang für eine etwas andere Art von kreativen Schaffen genutzt.

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